Systemische Hörtherapie

Ganz Ohr sein & durchs Ohr ganz sein

Die Systemische Hörtherapie ist eine auditive Behandlungsmethode. Sie gründet auf den Erkenntnissen des französischen Hals-Nasen-Ohrenarztes Dr. Alfred Tomatis. Entstanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde sie seither auf verschiedenen Ebenen weiterentwickelt.

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Kein anderes Sinnesorgan ist so komplex wie das Ohr. Kein anderer Sinn vermag so zu differenzieren wie der Hörsinn. Hören wirkt sehr vielschichtig in die menschliche Existenz hinein.

Es ist ein intensives, auch körperlich wahrgenommenes Geschehen: Klänge können das Herz öffnen, einen Schauer über den Rücken jagen, kribbelig machen, Bewegungsimpulse wecken oder dämpfen. Sie können auch Körper und Geist beruhigen, Sammlung und Konzentration bewirken.

Zuhören öffnet uns zum anderen Menschen, zu seinen Gedanken und Gefühlen, die er uns mitteilt. Im Austausch von wechselseitigem Zuhören entsteht Verstehen und im wahrsten Sinne des Wortes "Kommunikation", nämlich gemeinsam an etwas teilzuhaben. Hier erleben wir unsere Einsamkeit als überwunden.

Zuhören ist heute zu einer Kunst geworden, die wir in unserer modernen, lauten, selbstgezogenen Gesellschaft verlernt haben.

Die Systemische Hörtherapie will zu einem guten Hören und Zuhören verhelfen. So kann ein integrativer Prozess im eigenen Selbst stattfinden und durch Verstehen des Anderen ein Miteinander ermöglicht werden. Eben "Ganz Ohr sein & durchs Ohr ganz sein."

 

 

Übersicht über die Therapie

Die Hörtherapie folgt systemischen Aspekten im Setting wie auch den Therapieinhalten. Grundlagen der Behandlung sind ein spezieller Hörtest (das individuelle Hörprofil) und eine ausführliche Anamnese. Hieraus erschließt sich dem erfahrenen Hörtherapeuten das individuell geeignete, wirkungsvolle Hör-Programm. Die Patienten lauschen anschließend über Spezialkopfhörer ausgewählten Werken von Mozart und gregorianischen Gesängen. Auf den Patienten individuell abgestimmte Weise wird die Musik hierbei gefiltert und verändert. Dies geschieht durch einen komplexen, eigens für die Systemische Hörtherapie entwickelten elektronischen Klangwandler (Digitales Elektronisches Ohr).

Systemische Hörtherapie

Erwachsene wie Kinder hören im Regelfall in mehreren intensiven Hörabschnitten. Die Frequenzveränderung der Musik folgt einem systematischen Aufbau, der individuell nach Hörprofil und Therapieauftrag angepasst wird. Dabei wirkt die Musik auf die beiden im Innenohr auf engsten Raum vereinten Sinne ein, das Gleichgewichtsorgan und die Hörschnecke (Cochlea).
Kinder hören nach der Eingangsdiagnostik in einem Kinderraum im Regelfall zwei Stunden pro Tag die individuell gefilterte Musik und werden dabei von den Hörtherapie-Assistentinnen begleitet. Sie dürfen in dieser Zeit frei ihren Impulsen folgen, feinmotorische Tätigkeiten wie Basteln oder Malen ausüben oder einfach spielen. Ein Elternteil begleitet das Kind und hört räumlich getrennt von ihm in einem Erwachsenenraum ebenfalls veränderte Musik. Der Hörprozess der Kinder wird also doppelt begleitet, durch die Hörtherapeuten und die Eltern. Innerhalb dieser Situation stimuliert die gefilterte Musik Eigenregulation, Kommunikation und Selbstfindung des Kindes.

Zeitlicher Ablauf

Ein Basisprogramm der Hörtherapie hat folgenden zeitlichen Aufbau:

  1. Hörabschnitt: 15 (12 oder 10) Tage täglich 2 Stunden Hörtherapie mit begleitenden Gesprächen und Hörprofilen 
  2. Pause von 4 - 8 Wochen
  3. Hörabschnitt: 8 (10 oder 12) Tage täglich 2 Stunden Hörtherapie mit begleitenden Gesprächen und Hörprofilen

Je nach vorliegendem Problem und Therapiemotiv können sich weitere Hörabschnitte anschließen.

Kinder bei der Hörtherapie

Indikationen

Indikationen bei Erwachsenen

Störungen des Gehörs

  • Tinnitus 
  • Hörsturz 
  • Morbus Menière 
  • Bestimmte Formen von Schwerhörigkeit

Psychische und psychosomatische Probleme

  • Burnout
  • Midlife-Crisis 
  • Depressive Episoden 
  • Angststörungen
  • Phobien
  • Schlafstörungen 
  • Funktionelle Wirbelsäulenleiden 
  • Vitalisierung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter 
  • Selbsterfahrung
  • “Wellness” für die Psyche: Neuorientierung, Auszeit, Erholung

Körperliche Anwendungsgebiete

  • Rehabilitation nach Schlaganfall 
  • Multiple Sklerose 
  • Stimmstörungen

Geburtsvorbereitung schwangerer Frauen

Beziehungsschwierigkeiten und Bindungsstörungen

Verbesserung von Sprache, Stimme und Gesang im Sektor Sprechschulung und Musik

Erlernen von Fremdsprachen.

Indikationen bei Kindern

  • zentral-auditive Wahrnehmungsstörungen
  • sprachliche und motorische Entwicklungsstörungen
  • Behinderungen (z.B. nach geburtsbedingter Hirnschädigung oder auch Down-Syndrom)
  • Bindungsstörungen
  • Kontakt- und Verhaltensauffälligkeiten
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreibschwäche
  • tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie Autismus

Bei den eben genannten möglichen Anwendungsgebieten ist immer im Einzelfall in einem Erstgespräch mit Hörprofil zu klären, in welchem Ausmaß eine Störung der Hörverarbeitung und -wahrnehmung sowie der Adaptionsfähigkeit des Mittelohres an den jeweiligen Problemen des Kindes beteiligt sein kann.

Dipl. Psych. Franz Müller
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